Der Hallux rigidus ist deutlich weniger bekannt als der Hallux valgus, verursacht jedoch ähnlich häufig Beschwerden. Kennzeichnend ist nicht eine Fehlstellung des Zehs, sondern eine zunehmende Versteifung des Großzehengrundgelenks. Bemerkbar macht sie sich vor allem beim Abrollen – beim Treppensteigen, beim Gehen bergauf und beim schnellen Losgehen.
Krankheitsbild
Der Hallux rigidus ist eine Arthrose des Großzehengrundgelenks. Der Gelenkknorpel verschleißt, das Gelenk reagiert mit Entzündungen und bildet am Gelenkrand knöcherne Anbauten (Osteophyten). Diese Anbauten begrenzen die Beweglichkeit mechanisch: Der Zeh lässt sich nicht mehr ausreichend nach oben strecken. Die lateinische Bezeichnung rigidus – starr – beschreibt den Verlauf zutreffend.
Beim physiologischen Gangbild wird der große Zeh in der Abstoßphase um etwa 60 Grad nach oben gestreckt. Fehlt diese Beweglichkeit, entstehen Ausweichbewegungen: Abrollen über den Fußaußenrand, Außenrotation des Fußes, verkürzte Schrittlänge. Aus diesen Kompensationen resultieren häufig Folgebeschwerden in Mittelfuß, Knie und Rücken.
Abgrenzung zum Hallux valgus
Beide Krankheitsbilder betreffen dasselbe Gelenk, erfordern aber unterschiedliche Versorgungen.
Der Hallux valgus ist eine Fehlstellung. Der Großzeh weicht zur Fußmitte ab, das Grundgelenk tritt hervor, Druckstellen entstehen seitlich. Die Beweglichkeit des Gelenks ist häufig noch weitgehend erhalten.
Der Hallux rigidus ist ein Verschleißprozess. Die Zehenstellung bleibt gerade, die Beweglichkeit nimmt ab. Der Schmerz sitzt überwiegend auf der Oberseite des Gelenks, wo häufig eine tastbare knöcherne Erhebung Druck im Schuh verursacht. Beschwerden treten typischerweise unter Belastung auf, seltener in Ruhe.
Beide Befunde können gleichzeitig vorliegen. In der Fußanalyse werden deshalb Stellung und Beweglichkeit gemeinsam beurteilt.
Orthopädieschuhtechnische Versorgung
Der Knorpelverschleiß selbst ist nicht rückgängig zu machen. Beeinflussbar ist die Belastung des Gelenks beim Gehen. Dafür stehen mehrere Maßnahmen zur Verfügung, die je nach Befund einzeln oder kombiniert eingesetzt werden:
- Ballenrolle: Die Sohle wird so gearbeitet, dass der Fuß über eine definierte Rolle abrollt, statt im Zehengrundgelenk abzuknicken. Der Bewegungsumfang des Gelenks reduziert sich dadurch deutlich.
- Sohlenversteifung: Eine im Vorfußbereich versteifte Sohle nimmt dem Gelenk die schmerzauslösende Streckbewegung ab. In Kombination mit der Ballenrolle bleibt das Gangbild flüssig.
- Rigidusfeder: Eine Versteifung, die direkt in die orthopädische Einlage eingearbeitet wird. Sie kommt infrage, wenn der Schuh selbst nicht umgebaut werden soll.
- Weitung im Zehenbereich: Verursacht der knöcherne Anbau Druck von oben, schaffen eine Weitung des Schuhs oder ein Modell mit höherer Zehenkappe Entlastung.
Welche Kombination sinnvoll ist, ergibt sich aus der Fußanalyse und dem individuellen Befund.
Geeignetes und ungeeignetes Schuhwerk
Ungünstig sind Schuhe, die das Gelenk zu Bewegung zwingen: sehr weiche und biegsame Sohlen, flache Modelle ohne Stabilität sowie Zehentrenner. Auch hohe Absätze sind ungeeignet, da sie das Körpergewicht in den Vorfuß verlagern.
Empfehlenswert sind Schuhe mit fester, wenig biegsamer Sohle und leichter Abrollung, ausreichender Höhe im Zehenbereich und stabiler Fersenführung.
Operative Behandlung und Nachversorgung
In fortgeschrittenen Stadien kommen operative Verfahren infrage – von der Abtragung der Osteophyten bis zur Versteifung (Arthrodese) des Gelenks. Die Indikation stellt die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt.
Für die orthopädieschuhtechnische Versorgung ist vor allem die Zeit nach dem Eingriff relevant: Nach einer Arthrodese des Großzehengrundgelenks ist eine Ballenrolle am Schuh Voraussetzung für ein funktionelles Gangbild. Die entsprechenden Zurichtungen und Maßschuhe fertigen wir in unserer eigenen Werkstatt.
Untersuchung und Beratung bei Priwitzer
Ein einfacher Hinweis lässt sich selbst prüfen: Lässt sich der große Zeh im Sitzen deutlich schlechter nach oben ziehen als auf der Gegenseite oder verursacht dies Schmerzen, ist eine fachliche Untersuchung angezeigt.