Medizinische Kompressionsstrümpfe sehen auf den ersten Blick ähnlich aus. Ihr Aufbau kann sich jedoch deutlich unterscheiden. Rundgestrickte Modelle sind nahtlos und vergleichsweise elastisch, flachgestrickte Versorgungen werden stärker an die individuelle Beinform angepasst und besitzen in der Regel eine Naht. Welche Variante geeignet ist, hängt nicht vom persönlichen Geschmack, sondern von Diagnose, Gewebe und Beinform ab.
Wie medizinische Kompression wirkt
Ein medizinischer Kompressionsstrumpf übt von außen einen kontrollierten Druck auf das Bein aus. Bei Venenerkrankungen unterstützt er den Rücktransport des Blutes. Bei Lymph und Lipödemen kann die Kompression dazu beitragen, den Umfang zu stabilisieren und eine erneute Flüssigkeitseinlagerung zu begrenzen.
Die Wirkung entsteht nur, wenn Druck, Passform und Material zum jeweiligen Befund passen. Ein zu weit sitzender Strumpf rutscht und verliert an Wirkung. Ein schlecht angepasster Strumpf kann Falten bilden oder einschneiden. Deshalb steht vor jeder Versorgung die ärztliche Diagnose und eine genaue Vermessung.
Rundgestrickte Kompressionsstrümpfe
Rundstrick wird als nahtloser Schlauch gefertigt. Die Form entsteht hauptsächlich durch unterschiedlich große Maschen. Das Material ist vergleichsweise elastisch und eignet sich besonders für Beine mit gleichmäßiger Kontur.
Rundgestrickte Kompressionsstrümpfe werden häufig bei venösen Erkrankungen eingesetzt, beispielsweise bei Krampfadern oder einer chronischen Venenschwäche. Je nach Verordnung sind kniehohe Strümpfe, Schenkelstrümpfe oder Strumpfhosen möglich.
Voraussetzung ist, dass sich die erforderliche Passform ohne starke Umfangssprünge herstellen lässt. Bei ausgeprägten Gewebefalten oder sehr unterschiedlichen Beinumfängen kann Rundstrick an seine Grenzen kommen.
Flachgestrickte Kompressionsstrümpfe
Flachstrick wird Reihe für Reihe hergestellt, auf die individuelle Körperform zugeschnitten und anschließend zusammengenäht. Durch die veränderbare Anzahl der Maschen lässt sich das Material genauer an unterschiedliche Umfänge und ungewöhnliche Konturen anpassen.
Das Gestrick ist fester und weniger dehnbar als Rundstrick. Es kann tiefer liegende Hautfalten besser überbrücken und neigt dadurch weniger dazu, in weiches Gewebe einzuschneiden. Flachgestrickte Versorgungen kommen deshalb häufig bei Lymphödemen, ausgeprägten Lipödemen, deutlichen Umfangssprüngen oder besonderen anatomischen Formen zum Einsatz.
Die Naht ist dabei kein Qualitätsmangel, sondern ein konstruktiver Bestandteil der individuellen Formgebung.
Strickart und Kompressionsklasse sind nicht dasselbe
Die Strickart beschreibt, wie der Strumpf gefertigt ist und wie sich das Material am Bein verhält. Die Kompressionsklasse gibt dagegen den medizinischen Druckbereich an.
Ein stärkerer rundgestrickter Strumpf ersetzt deshalb nicht automatisch eine flachgestrickte Versorgung. Umgekehrt bedeutet Flachstrick nicht zwangsläufig, dass immer die höchste Kompressionsklasse erforderlich ist. Beide Merkmale werden unabhängig voneinander nach Diagnose und Therapieziel ausgewählt.
Für die Versorgung sind unter anderem diese Faktoren entscheidend:
- zugrunde liegende Erkrankung
- Form und Umfang des Beins
- Festigkeit und Beschaffenheit des Gewebes
- vorhandene Hautfalten und Druckstellen
- Beweglichkeit und Fähigkeit zum Anziehen
- Anforderungen im beruflichen und privaten Alltag
Warum die genaue Vermessung entscheidend ist
Schon geringe Messabweichungen können dazu führen, dass ein Kompressionsstrumpf rutscht oder einschneidet. Vermessen wird deshalb möglichst dann, wenn das Bein wenig geschwollen ist – häufig am Morgen.
Bei Priwitzer erfolgt die Erfassung sowohl manuell als auch mithilfe digitaler 3D Messtechnik. Die Maße werden für jedes Bein einzeln aufgenommen. Auf dieser Grundlage wird die geeignete Größe ausgewählt oder eine Maßanfertigung erstellt.
Nach der Anprobe wird kontrolliert, ob der Strumpf faltenfrei sitzt, die vorgesehene Länge erreicht und an den Abschlüssen nicht einschneidet.
Passform im Alltag kontrollieren
Ein korrekt sitzender Kompressionsstrumpf liegt gleichmäßig am Bein an. Er sollte weder dauerhaft rutschen noch Falten werfen oder sich am oberen Rand einrollen. Druckschmerz, Taubheitsgefühl, kalte Zehen oder auffällige Verfärbungen sind Hinweise darauf, die Versorgung überprüfen zu lassen.
Auch eine deutliche Veränderung des Beinumfangs kann eine neue Vermessung erforderlich machen. Pflege und Waschen sollten nach den Vorgaben des Herstellers erfolgen, da falsche Behandlung die Elastizität und damit die medizinische Wirkung beeinträchtigen kann.
Plötzlich auftretende einseitige Schwellungen, Rötungen oder Schmerzen gehören ärztlich abgeklärt und sollten nicht eigenständig mit einem vorhandenen Kompressionsstrumpf behandelt werden.
Vermessung und Beratung bei Priwitzer
Welche Strickart geeignet ist, ergibt sich aus ärztlicher Diagnose, Beinform, Gewebebeschaffenheit und dem vorgesehenen Einsatz. Priwitzer vermisst die Beine manuell und digital, passt die Versorgung an und kontrolliert den Sitz bei der Anprobe. Zur Auswahl stehen unterschiedliche Ausführungen, Kompressionsklassen, Farben und Maßanfertigungen.