Der Spreizfuß ist die häufigste Fußfehlstellung in Deutschland. Typische Beschwerden sind ein Brennen unter dem Fußballen nach längerer Belastung, wiederkehrende Hornhautbildung an derselben Stelle und ein Vorfuß, der in gewohnten Schuhen zu wenig Platz findet. Gleichzeitig gehört der Spreizfuß zu den Fehlstellungen, die sich orthopädieschuhtechnisch gut versorgen lassen.
Krankheitsbild
Der Vorfuß wird von einem Quergewölbe getragen: Die fünf Mittelfußknochen sind bogenförmig angeordnet, die Hauptlast ruht auf dem ersten und dem fünften Strahl – also unter Großzehen- und Kleinzehenballen. Bänder und Muskulatur halten diesen Bogen.
Lässt diese Spannung nach, senkt sich das Quergewölbe ab und der Vorfuß verbreitert sich. Die Last verlagert sich auf die mittleren Mittelfußköpfchen, die dafür anatomisch nicht ausgelegt sind. Als Schutzreaktion bildet der Fuß dort vermehrt Hornhaut. Schwielen mittig unter dem Fußballen zählen deshalb zu den zuverlässigsten Hinweisen auf einen Spreizfuß.
Abgrenzung: Knickfuß, Senkfuß, Spreizfuß
Die drei Begriffe werden häufig gleichgesetzt, betreffen jedoch unterschiedliche Bereiche des Fußes:
- Spreizfuß: Absenkung des Quergewölbes im Vorfuß, Verbreiterung des Vorfußes.
- Senkfuß: Absenkung des Längsgewölbes an der Fußinnenseite.
- Knickfuß: Einwärtskippen der Ferse, Absinken des Innenknöchels.
In der Praxis treten die Formen häufig kombiniert auf; man spricht dann vom Knick-Senk-Spreizfuß. Für die Versorgung ist die genaue Zuordnung entscheidend, da jede Fehlstellung eine andere Abstützung in der Einlage erfordert. Am Anfang steht deshalb immer die Fußanalyse.
Symptome und Ursachen
Charakteristisch sind Beschwerden, die im Tagesverlauf zunehmen: Brennen oder Druckgefühl unter dem Vorfuß, das Gefühl, auf einem Fremdkörper zu laufen, Hornhautschwielen unter der Ballenmitte sowie ein Vorfuß, der in bisher passenden Schuhen zu eng wird. Treten zusätzlich Kribbeln oder Taubheitsgefühle in den Zehen auf, kann ein gereizter Nerv zwischen den Mittelfußknochen beteiligt sein; dies gehört ärztlich abgeklärt.
Die Ursachen wirken meist zusammen: eine familiäre Veranlagung zu schwächerem Bindegewebe, Übergewicht, überwiegend stehende Tätigkeiten, die nachlassende Gewebespannung mit zunehmendem Alter sowie über lange Zeit getragene enge oder hochhackige Schuhe.
Versorgung mit Einlagen
Beim Spreizfuß ist die individuell gefertigte orthopädische Einlage die zentrale Maßnahme. Kernelement ist die Pelotte – eine gezielt platzierte Erhebung kurz hinter den mittleren Mittelfußköpfchen. Sie stützt das abgesunkene Quergewölbe und entlastet den schmerzenden Bereich.
Entscheidend ist die exakte Positionierung: Eine zu weit vorn gesetzte Pelotte erhöht den Druck, statt ihn zu nehmen. Bei uns wird sie deshalb anhand von Fußabdruck und Gangbild individuell platziert und nicht nach Konfektionsmaß gesetzt. Die Entlastung ist häufig bereits beim Probegehen spürbar; die Gewöhnung an die veränderte Auflage dauert in der Regel ein bis zwei Wochen.
Ergänzend wirken Maßnahmen, die die Fußmuskulatur aktivieren – etwa Gehen barfuß auf wechselndem Untergrund oder gezielte Fußgymnastik. Sie ersetzen die Einlagenversorgung nicht, unterstützen sie aber.
Mögliche Folgeerkrankungen
Ein Spreizfuß ist für sich genommen nicht gefährlich, gilt aber als Ausgangspunkt weiterer Fehlstellungen. Durch den seitlichen Druck im verbreiterten Vorfuß entwickelt sich häufig ein Hallux valgus. Die mittleren Zehen weichen nach oben aus, es entstehen Hammer- oder Krallenzehen. Dauerhafter Druck auf die Nerven zwischen den Mittelfußknochen kann zudem ein Morton-Neurom begünstigen.
Diese Entwicklungen verlaufen über Jahre. Eine frühzeitige Versorgung kann sie verlangsamen.
Untersuchung und Beratung bei Priwitzer
Ein erster Hinweis lässt sich selbst prüfen: Befindet sich die Hornhaut mittig unter dem Ballen und nicht ausschließlich an der Ferse, spricht dies für eine Fehlbelastung des Vorfußes.